Seit Mitte 2009 arbeite ich mit einem MacPro (Produktion early 2009 – Versionsnummer 4.1). Damals habe ich mich für die Einstiegsvariante entschieden und muss ehrlich sagen, bis jetzt ist die Geschwindigkeit um die Fotos zu bearbeiten, mehr als ausreichend. Doch mit den neuen hochauflösenden Kameras dauert der ganze Workflow nun doch relativ langsam(er).

Vorneweg, an alle bisher interessierten Leser, darf ich vorwarnen, das dieser Beitrag doch eher etwas techniklastig wird. Ich bin also nicht böse, wenn ihr nur das Fazit liest 😉

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Ausgangslage

Meine bisherige MacPro 4.1 Konfiguration ist wie folgt:

  • 2,66 GHz 4-Core
  • 8GB Ram ECC mit 1066MHz
  • 256 GB SSD & zusätzliche HDDS in einem NAS-Server
  • ATi Radeon 4750 mit 512RAM

_J7A9483MacPro mit der Originalausstattung

Schon zu Beginn habe ich nach dem Kauf des MacPro im Jahr 2009 eine schnelle SSD als Boot-Festplatte eingebaut. Der Geschwindigkeitsvorteil gegenüber den normalen Festplatten war enorm. Das Starten der Programme ging sowas von fix und das ganze „Handling“ war einfach wie von einem anderen Stern 🙂

Nach über 5 1/2 Jahren intensiver Nutzung merke ich jedoch immer mehr, dass das ganze System mit dem steigendem Leistungsbedarf der Programme, den grössen Datenmengen der Fotos und natürlich auch aufgrund der aktuellen 4K-Auflösung diverser Videokameras immer mehr ausgelastet – wenn nicht sogar teilweise überlastet ist. Auch das Abspeichern der Daten per USB 2.0 von der Kamera/Kartenleser auf den MacPro ist schleichend. Dies fällt mir immer dann auf, wenn ich parallel oder unterwegs mit meinem Retina-MacbookPro aus dem Jahr 2013 arbeite….da „flutschen“ die Daten richtiggehend von der SD-Karte auf den internen Speicher.

Nun stellt sich mir grundlegend die Frage; soll der alte MacPro (folgend als cMP erwähnt, c=classic) ausgemustert und gegen einen neuen MacPro (nMP) ersetzt werden? Einerseits spricht sicher die aktuelle (von 2013) Leistung des nMP für einen Kauf, aber der Preis spricht eher dagegen. Klar könnte man auch mit einem iMac Retina 5K daherkommen, aber es gibt diverse Punkte, welche mich davon abhalten (sehr laut bei Spitzenlast, keine grosse Ausbaufähigkeit, bin kein Fan von All-in-One Geräten, will eigene, gute & mehrer Monitore anschliessen können, usw). Ein weiterer Punkt, der mich auch von einem Kauf des neuen MP abhält, ist der fortgeschrittene Produktzyklus; ein neuer MacPro sollte eigentlich schon länger draussen sein. … aber bisher hört man noch nichts seitens Apple.

Nun gut, wenn ich mich auf der Apple Webseite umschaue und mir meine einigermassen bezahlbare Wunschkonfiguration des nMP zusammenstelle, komme ich auf folgendes:

  • 3,5 GHz 6-Core 
  • 32 GB (4x 8GB) DDR3 ECC mit 1866 MHz
  • 1 TB PCIe-basierter Flash-Speicher
  • Zwei AMD FirePro D500 GPUs mit je 3 GB GDDR5 VRAM Speicher

…und der Spass kostet satte CHF 5’800.-!! BÄMM!!

Upgrade

Nach ein paar Stunden recherchieren im Netz bin ich jedoch zum Schluss gekommen, dass ich mit knappen CHF 1’000.- meinen cMP nahe an das technische Niveau des nMP anheben kann. Natürlich nicht genau so schnell und vor allem optisch nicht so „chic“ wie der neue, doch mit einem 1/6 des Kaufpreises des nMP komme ich relativ nahe an seine Leistung ran.

Dazu müssen in meinem alten MacPro folgendes ausgetauscht und/oder dazuinstalliert werden:

  • neuer Prozessor
    damit ich in den Genuss neuerer Prozessoren gelange, muss ich eine neue Firmware aufspielen. Damit wird der cMP 4.1 zu einem 5.1 und erlaubt neben neueren Prozessoren auch schnellere RAM. Ausgesucht habe ich mir den Intel XEON W3690, einen „älteren“ 6-Kernprozessor mit 3,46GHz … die schnellste Möglichkeit auf dem SingleCPU-Board und dem verbauten Sockel. Diesen habe ich in der Bucht (ebay) für CHF 250.- gebraucht gekauft.
  • mehr RAM
    aufgrund des Firmware-Updates kann ich nun auch schnellere und vorallem auch mehr RAM verbauen, bisher waren es Speichermodule mit 1066MHz, welche man auch etwas schwerer im Netz findet. Nach dem Update kann ich welche mit 1333MHz verbauen. Also ersteigere ich mir im Internet 32GB von Samsung (4x 8GB RAM Module) für weitere CHF 150.-
  • neue Grafikkarte
    die betagte Radeon HD 4750 muss unbedingt ersetzt werden, 4K-Filme können nicht mehr ruckelfrei abgespielt werden. Hier ist die Auswahl an neuen geeigneten und bezahlbaren Grafikkarten (welche auch das Bootmenu von Apple anzeigen) für einen MacPro schwieriger. Doch nach längerer Suche habe ich ebenfalls in der Bucht eine für MacPro geflashte ATi Radeon R9 280X mit 3GB Speicher für CHF 300.- gefunden.
  • USB 3.0
    ein nächster Punkt ist die bisher noch langsame Übertragung der Daten auf den cMP, da helfen USB 3.0 PCIe Karten. Hier habe ich mir eine von Sonnet gekauft, für weitere CHF 50.-
  • SSD mit PCIe Anschluss
    meine bisherige SSD hat sehr gute Dienste geleistet und lief sehr schnell, doch die Verbindung der SSD mit dem Board über die SATA2 Schnittstelle ist relativ langsam im Vergleich zu einem direkten Anschluss über die PCIe Schnittstelle. Bisher hatte ich eine Übertragungsrate von 280MB/s, mit dem neuen Flashspeicher über PCIe erreiche ich max. Read 2000MB/s und Write 1500MB/s. Ob man dies im normalem Umgang merkt und ob dass die PCIe-Schnittstelle auch zulässt, sei dahingestellt, aber beim Videoschnitt von 4K-Material ist es sicherlich von Vorteil.  Hier kommt für mich eine Samsung SM951 PCI Express Flashspeicher mit 512GB für CHF 300.- inkl. nochmals CHF 30.- für eine Raiser Card (damit die SSD am Mainboard angeschlossen werden kann) hinzu. Die alte SSD mit 256GB bleibt drin, als kleine Arbeits- oder Scratchfestplatte für aktuelle Projekte. Ältere Projekte werden – wie bisher auch – auf das NAS ausgelagert.

So, und wenn ihr nun alle mitgerechnet habt, kommen wir auf total CHF 1’080.-!! Die SSD mit PCIe-Anschluss könnte man wohl auch weglassen – wenn man schon eine SSD per normalen SATA-Anschluss angeschlossen hat. so käme man auf lediglich CHF 750.-!! Für den Beginn werde ich das auch so machen, und den Erwerb der SSD imt PCIe-Anschluss nach aufschieben.

Die aktuelle Konfiguration sieht dann wie folgt aus:

  • 3,46GHz 6-Core
  • 32 GB Ram ECC mit 1333 MHz
  • 256 GB SSD & zusätzliche HDDS in einem NAS-Server
  • ATi Radeon R9 280 mit 3 GB Ram

_J7A9491mit eingebauter neuer Grafikkarte und USB 3.0 Platine

_J7A9494ausziehbare Platine mit CPU & Kühlkörper und RAM-Speicherbänke

_J7A9503CPU, bereit zum Austausch

Test

Nach erfolgreichem Einbau der Komponenten…und ersten Tests ob alles funktioniert, mache ich mich an ein paar Geschwindigkeitstests. Ich will ja wissen, welche Zeitersparniss ich mir gekauft habe. Dazu gibt es bereits diverse Benchmarks, wie der Geekbench 3, der die CPU- und RAM-Arbeitsgeschwindigkeit misst. Schön und gut, aber wenig aussagekräftig für den alltäglichen Gebrauch. Im Forum von macrumors.com gibt es einen Photoshop-Speedtest, der geläufige Photoshopfilter als Aktion abläuft und damit die Zeit gemessen wird. Dieser Test ist für mich als Photoshop-Benutzer schon mal aussagekräftiger. Zusätzlich zu diesem werde ich noch folgende Tests machen, welche ich vorher auch mit der alten MacPro-Konfiguration gemacht hab, damit ich Vergleichswerte hab:

  • RealWorld Photoshop-Speedtest
  • Datenübertragung von einer SD-Karte über die neue USB 3.0 Anschlüsse auf die interne SSD (100 kleine Daten, 1 grosse Datei)
  • Export von 100 Fotos mit diversen Anpassungen im Adobe „Lightroom“ (RAW nach JPG)
  • Rendering/Export eines 2min Videos in 4K-Auflösung mit h.264 Codec

Dies sollte eine reale Simulation meiner tagtäglichen Aufgaben wiederspiegeln. Hier nun die Resultate:

 Fazit

cMP cMP Upgrade
Geekbench
  • 32bit (Single-/Multicore)
  • 64bit (Single-/Multicore)
1961 / 7277
2103 / 8089 
 2640 / 14649
2910 / 16492
Realworld-Photoshop Speedtest  16,7 Sek  10,1 sek
   
Export Lightroom (100 Fotos)  5min 49sek  4min 25 sek*
   
 USB Übertragung    
  •  100 kleine Dateien (2.8GB)
  • 1 grosse Datei (2.8GB)
2min 01sek
1min 39sek 
30sek
25sek 
Export 4k Videomaterial 1GB 12min 47sek 8min 43

* und wenn man nun die 100 Fotos in je 50 Fotos aufteilt und parallel exportiert, macht sich der 6-Kern Prozessor noch mehr bemerkbar und schafft den Export in 3min 11sek! (vor dem Upgrade waren es 5Min 05sek)

Ich bin begeistert, für relativ kleines Geld konnte ich meinem MacPro nochmals viel Geschwindigkeit einhauchen. Die einzelnen Zeitersparnisse im Sekundenbereich mögen klein sein, aber aufsummiert auf die hunderte Fotos, welche tagtäglich kopiert, bearbeitet oder exportiert werden, macht sich dies doch bemerkbar für mich! 🙂

Mein Fazit: im Verhältnis zum eingesetzten Geld die für mich momentan beste Option!